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Spionage

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Autoren: Peter Geiger, Rupert Quaderer | Stand: 31.12.2011

Spionage ist verbotener militärischer, wirtschaftlicher oder politischer Nachrichtendienst zugunsten eines anderen Landes, einer ausländischen Partei oder Organisation oder eines Unternehmens zum Schaden des eigenen oder eines dritten Landes, von Personen oder Betrieben.

1843 erliess Fürst Alois II. ein «Gesetz über Ausspähung (Spionage) und Falschwerbung», das militärische Spionage gegen Liechtenstein oder verbündete Mächte unter Strafe stellte.

In Liechtenstein sind Spionagefälle aus den beiden Weltkriegen und der Zwischenkriegszeit dokumentiert. Gründe für die Spionagetätigkeit lagen in politischer Überzeugung, Gewinnstreben oder Naivität. Im Ersten Weltkrieg wurde in der Schweiz, die wegen ihrer geografischen Lage und Neutralität stark von Spionage betroffen war, 1917 ein Liechtensteiner wegen nachrichtendienstlicher Aktivität zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. In Innsbruck wurden 1917 zwei Liechtensteiner wegen Verdachts auf Spionagetätigkeit zugunsten Italiens für sieben Monate bzw. über ein Jahr in Untersuchungshaft genommen und im März 1918 mangels Beweisen entlassen.

In den 1930er Jahren kam es in Liechtenstein zu Spionage durch Nationalsozialisten, indem sie politische Gegner und Juden ausspähten und in Deutschland denunzierten, so der «Heimatdienst»- und «Vaterland»-Schriftleiter Carl von Vogelsang; eine Folge war das «Spitzelgesetz» von 1937, das 1949 durch ein Staatsschutzgesetz abgelöst wurde. Im Zweiten Weltkrieg waren in und durch Liechtenstein hindurch Dutzende von in- und ausländischen Spionen aktiv. Die deutsche «Abwehr» (militärische Gegenspionage) liess vorab durch Mitglieder der Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein Schweizer Festungsanlagen um Sargans sowie im Glarner, Zürcher und Innerschweizer Gebiet ausspionieren. Gestapo und Sicherheitsdienst (SD) erteilten politische und wirtschaftliche Ausforschungsaufträge. Informanten wurden in Bregenz, Feldkirch und Innsbruck unter Decknummern geführt, teils wissentlich und für Geld, teils unwissentlich. Die Schweiz verurteilte 1944–45 drei Liechtensteiner wegen militärischen Landesverrats zum Tod, der in Zug wohnhafte Alfred Quaderer aus Schaan wurde am 7.6.1944 hingerichtet. Etliche Liechtensteiner erhielten lange Gefängnisstrafen und Einreisesperren, wirksam weit über den Krieg hinaus. Spionage von Liechtensteinern gegen die Schweiz belastete das zwischenstaatliche Verhältnis. Liechtensteinische Gerichte deckten ebenfalls Spionagefälle auf und fällten Urteile. Nach dem Krieg wurde u.a. bekannt, dass der von Regierungschef-Stellvertreter Alois Vogt bei der Gestapo in Feldkirch geführte Informationsaustausch nachrichtendienstlich genutzt worden war. Vogt, der sich auf Nichtwissen berief, entging einem Strafprozess, weil die Koalitionsfrage tangiert war. Zu Gefängnis verurteilt wurde u.a. Altregierungschef Gustav Schädler, der gegen Honorar Artikel zu Schweizer Themen für deutsche Auftraggeber verfasst hatte. Spionage zugunsten der Alliierten lief gegen das Kriegsende auch über Liechtenstein, so durch das amerikanische Office of Strategic Services (OSS), die österreichische Widerstandsgruppe «O5» und den französischen Geheimdienst.

Archive

LI LA; BA.

Literatur

O. Molden: Der Ruf des Gewissens, 1958; K. Lüönd: Spionage und Landesverrat in der Schweiz, 1977; H.-R. Fuhrer: Die geheimen deutschen Nachrichtendienste gegen die Schweiz im Zweiten Weltkrieg, 1982; P. Geiger: Landesverrat, in: JBL 98 (1999), 109–142; Geiger: Krisenzeit, 22000; P. Geiger: Kriegszeit, 2010.

Zitierweise

Peter Geiger, Rupert Quaderer, «Spionage», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Spionage, abgerufen am 23.2.2019.