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Spital

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Autor: Friedrich Besl | Stand: 31.12.2011

Unter einem Sptial verstand man ab dem Mittelalter eine Fürsorgeanstalt für Arme, Alte, Obdachlose sowie geistig und körperlich Behinderte. Vermögende Kranke liessen sich vom Arzt zu Hause behandeln (→Gesundheitswesen). Als Spital gilt heute eine Einrichtung zur stationären Behandlung von Krankheiten und zur Geburtshilfe. Erste Pläne für ein liechtensteinisches Spital entwickelte 1829 Landvogt Peter Pokorny. Sie blieben ebenso unrealisiert wie entsprechende Vorschläge des Fürsten (1845), des Landesverwesers Karl Haus von Hausen (1861–62) und des Landesphysikus und Landtagspräsidenten Karl Schädler (1867/69). 1867/69 stimmte der Landtag gegen die Errichtung eines Landesspitals und für den Bau von Gemeindearmenhäusern (→Bürgerheime). 1873 wurde das Schaaner Armenhaus in einer Verordnung zum «öffentlichen Krankenhaus» für alle armen Kranken des Landes erklärt, diese Zentralisierungsmassnahme liess sich in der Praxis aber nicht durchsetzen. 1884–85, 1890 und ab 1914 diskutierte der Landtag erneut über den Bau eines Spitals. Aufgrund der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg scheiterte 1918/19 der schon weit gediehene Plan zum Bau eines vom Fürsten mitfinanzierten Krankenhauses auf Dux (Schaan). Anfang der 1920er Jahre adaptierte Landesphysikus Felix Batliner (1881–1933) Teile des 1892 errichteten Vaduzer Bürgerheims als Krankenabteilung bzw. als Geburtshilfestation; daraus erwuchs das heutige Liechtensteinische Landesspital. Um die Krankenpflege in diesem sogenannten Bürgerheimspital kümmerten sich die Zamser Schwestern. 1930–31 erfolgte ein Anbau, der u.a. einen Operationssaal enthielt. 1956 sprach sich der Landtag für einen Neubau des Spitals aus. Aber erst nach Abstimmungen in Vaduz und auf Landesebene (1977) wurde der durch eine Spende von 5 Mio. Fr. von Philipp und Julie Bauer (1962) ermöglichte Bau 1977–81 durchgeführt. 1977 vereinbarte das Land mit der Gemeinde Vaduz die Übernahme des Defizits sowie eine Subvention der Spitaleinrichtung. 2000 ging das rund 90 Betten umfassende Krankenhaus Vaduz per Gesetz von der Gemeinde Vaduz in eine Stiftung des öffentlichen Rechts über und änderte seinen Namen in «Liechtensteinisches Landesspital». Betreut wird das 2004–06 umgebaute Spital bis heute nicht von fest angestellten Spitalärzten, sondern von in Liechtenstein niedergelassenen Spezial- und Allgemeinärzten (Belegarztspital mit 2006 52 Belegärzten).

Da viele Operationen nicht im Liechtensteinischen Landesspital durchgeführt werden können und dessen Kapazität als Spital der Grundversorgung mit eingeschränkten Möglichkeiten nicht für alle Patienten ausreicht, sind ausländische Spitäler von grosser Bedeutung für Liechtenstein, so traditionell das nahe gelegene, 1907 eröffnete Spital Grabs (SG). Liechtenstein hat seit 1965 Verträge über die Aufnahme liechtensteinischer Patienten mit rund 25 Kliniken in der Schweiz, Österreich und Deutschland abgeschlossen.

Literatur

Jahresberichte der Krankenhaus-Betriebskommission 1975–99; Jahresberichte Liechtensteinisches Landesspital 2000–; G. Risch et. al.: Eröffnung Krankenhaus Vaduz, 1981; R. Rheinberger: «… den ärztlichen Beistand unentgeltlich zu leisten», in: Fabriklerleben, 1994, 309–322; B. Stricker: Hundert Jahre Spital Grabs, in: Werdenberger Jahrbuch 2008, Jg. 21 (2007), 222–231.

Zitierweise

Friedrich Besl, «Spital», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Spital, abgerufen am 22.1.2019.

Medien

Das alte Krankenhaus von Vaduz, 1940 (LI LA). Foto: Adolf Buck. Das Gebäude wurde 1979 zugunsten eines modernen Baus abgebrochen.