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Statistik

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Autor: Wilfried Oehry | Stand: 31.12.2011

Statistik bezeichnet die Gewinnung, Darstellung und Auswertung quantitativer Informationen. Früher verstand man unter Statistik die Beschreibung eines Staats anhand von Zahlen und Fakten.

Einen Vorläufer stellt in Liechtenstein das «Legerbuch» von 1584 dar, welches die Steuerpflichtigen und ihre Vermögen nach Gemeinden auflistet (→«Schnitz»). Statistisch in verschiedener Hinsicht auswertbare Quellen sind die ab Mitte 17. Jahrhundert erhaltenen Pfarrbücher (Tauf-, Ehe- und Sterberegister). Erste gezielte statistische Erhebungen erfolgten ab 1784 in Form von Volkszählungen. Ausserdem liegen zu verschiedene Fragen der Landwirtschaft ab dem späten 18. Jahrhundert statistische Auswertungen von Quellenmaterial vor (v.a. zu Viehbestand und Preisen). Ab 1828 hatten die Ortsseelsorger dem Oberamt Geburten und Todesfälle mitzuteilen. In grösserem Umfang setzte die Erstellung von Statistiken in Liechtenstein erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein. Gegenstand dieser Statistiken waren neben Bevölkerung und Landwirtschaft auch Gewerbe und Industrie, Handel, Forstwesen, Post- und Telegrafenwesen, Fremdenverkehr, Feuerversicherung, Stickerei, Holzausfuhr, Vieheinfuhr und -ausfuhr und Rheinkiesentnahme. Als souveräner Staat war Liechtenstein im 19. Jahrhundert Gegenstand statistischer Darstellungen, so bei Karl Pölitz 1811, August Crome 1828 und Hugo Brachelli 1864.

Die Institutionalisierung der Statistik erfolgte in Liechtenstein erst Mitte 20. Jahrhundert. 1940 schlug Prof. Jakob Lorenz (1883–1946) die Schaffung eines statistischen Amts vor. 1943 begann Andreas Eberle (1909–1985) als Mitarbeiter der Regierungskanzlei mit statistischen Arbeiten für die Familienzulagen, später auch für die Alters- und Hinterlassenenrenten. Ab 1950 war Eberle Leiter des Amts für Kinderhilfe und Statistik, das 1956 in Amt für Statistik umbenannt wurde. Im Zug der Schaffung des Gesetzes über die amtliche Statistik 1976 integrierte man die Statistik in das Amt für Volkswirtschaft. Mit dem EWR-Beitritt Liechtensteins 1995 wurde die amtliche Statistik Teil des Europäischen Statistischen Systems, das auf der Basis gemeinsamer Rechtsgrundlagen international vergleichbare Statistiken produziert. Seit 2009 ist die Statistik wieder als eigenständiges Amt für Statistik organisiert (Grundlage: Statistikgesetz 2008).

Die amtliche Statistik erfüllt die Funktion eines Informationszentrums. Zu den wichtigeren Publikationen zählen das Statistische Jahrbuch, Liechtenstein in Zahlen, die Arbeitslosen-, Banken-, Bau-, Beschäftigungs-, Bevölkerungs-, Bildungs-, Energie-, Fremdenverkehrs-, Gütertransport-, Krankenkassen-, Motorfahrzeug-, Steuer- und Zivilstandsstatistik, die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und die Volkszählung.

Quellen

Rech Reg 1922–; Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, Anhang; StatJb 1977–.

Literatur

Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, 45–47; F.J. Heeb: Organisation und Konzeption eines statistischen Informationssystems am Beispiel der amtlichen Statistik des Fürstentums Liechtenstein, 1980; R. Tiefenthaler, P. Vogt: Liechtensteins Statistik 1828 im Zeichen der Souveränität, in: Veröffentlichung des LI LA 3 (2006), 79–96.

Medien

Geographisch-statistische Darstellung der Staatskräfte, von den sämmtlichen, zum deutschen Staatenbunde gehörigen, Ländern: Von August Friedrich Wilhelm Crome, [...] IV. und letzter Theil, [...]. Leipzig [...] 1828. Titelseite (LI LA). Auf den Seiten 285–294 findet sich der Artikel «Das Fürstenthum Liechtenstein».

Zitierweise

Wilfried Oehry, «Statistik», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Statistik, abgerufen am 20.2.2019.