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Streik

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Autor: Donat Büchel | Stand: 31.12.2011

Vorübergehende Arbeitsniederlegung zur Durchsetzung eines Ziels. Streiks gab es im Gegensatz zu anderen Industriestaaten in Liechtenstein kaum. Gründe dafür sind u.a. die späte Entstehung von Arbeitervertretungen (ab 1920), die Saisonniertätigkeit vieler Männer bis in die 1950er Jahre und die Zusammensetzung der Fabrikarbeiterschaft. Diese bestand bis weit ins 20. Jahrhundert hauptsächlich aus Frauen, die bis 1984 von den politischen Rechten ausgeschlossen waren, und Ausländern. Zudem ermöglichte der wirtschaftliche Aufschwung nach 1945 den Ausbau der Sozialversicherung und der Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitnehmern und -gebern.

Aus dem 19. Jahrhundert ist nur eine Arbeitsniederlegung bekannt. Am 6.4.1898 streikte ein Grossteil der Arbeiterinnen der Mechanischen Weberei Vaduz aus Protest gegen beträchtliche Lohnkürzungen. Nachdem Landesverweser Karl von In der Maur vermittelt hatte, nahm die Belegschaft noch am gleichen Tag die Arbeit wieder auf. 1920 streikten die in Liechtenstein tätigen Angestellten der österreichischen Bundesbahnen (19.–23.4.1920) und der österreichischen Post (15.–17.5.1920) erfolgreich für bessere Löhne. Da die Geschäfte in Liechtenstein in der Regel keine Kronen, sondern nur noch Franken akzeptierten, waren die in Kronen bezahlten Angestellten in ihrer Existenz bedroht. Sie forderten deshalb einen Frankenzusatz zu ihrem Lohn. Beide Gruppierungen bestanden hauptsächlich aus Liechtensteinern. Die Ortsgruppe Feldkirch des Gewerkschaftsverbands der Postangestellten Deutschösterreichs, welcher die Postangestellten in Liechtenstein angehörten, hatte während des Arbeitskonflikts gedroht, die liechtensteinische Post in Österreich nicht mehr weiterzusenden.

In der Krisenzeit der 1930er Jahre demonstrierten Mitglieder des 1920 gegründeten Liechtensteinischen Arbeiterverbands (→Liechtensteinischer ArbeitnehmerInnenverband) zwar wiederholt vor dem Regierungsgebäude in Vaduz, um Arbeit zu erhalten, einen Streik rief er damals nicht aus. In den 1930er Jahren gab es verschiedene streikähnliche Aktionen liechtensteinischen Arbeiter, die beim Bau des Binnenkanals beschäftigt waren. 1940 waren rund 100 Liechtensteiner in einen Arbeitskonflikt auf dem Oberalppass (UR) verwickelt, wo sie beim Bau einer Eisenbahnlinie tätig waren. Aufgrund der schlechten Arbeits- und Unterkunftsbedingungen verliessen trotz Vermittlungsversuchen der Regierung etwa 40 Arbeiter ihren Arbeitsplatz und reisten heim. 1941 drohte das Baugewerbe bei Lohnverhandlungen mit der Regierung mit einer Arbeitsniederlegung. Ob in Gewerkschaften aktive oder andere liechtensteinische Saisonniers im Ausland an Streiks teilnahmen, ist nicht bekannt.

Die liechtensteinische Verfassung enthält keine Regelungen zum Streikrecht. In den Gesamtarbeitsverträgen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gilt zum Erhalt des Arbeitsfriedens ein absolutes Streikverbot. Meinungsverschiedenheiten werden zwischen den Sozialpartnern geregelt. Wird keine Einigung erzielt, kann nach dem Arbeiterschutzgesetz das Einigungsamt angerufen werden.

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Literatur

E. von Liechtenstein: Liechtensteins Weg von Österreich zur Schweiz, o.J. [1945], 313f., 423–441; O. Seger: 50 Jahre Arbeiterverband im Fürstentum Liechtenstein, 1970, 12f.; Ospelt: Wirtschaftsgeschichte, 1972, 287f.; R. Quaderer: Der historische Hintergrund der Verfassungsdiskussion von 1921, in: Die liechtensteinische Verfassung 1921, 1994, 108–140, besonders 124; Länderbericht Liechtenstein, 2004, 26f.

Zitierweise

Donat Büchel, «Streik», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Streik, abgerufen am 23.2.2019.