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Tobelhocker

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Autor: Manfred Tschaikner | Stand: 31.12.2011

In den Gemeinden Triesen und Triesenberg (ehemals pfarrlich zusammengehörig) bezeichnet man die frühneuzeitlichen Hexenverfolger (Denunzianten, «Brenner») sowie deren Nachkommen als Tobelhocker. Diese sollen infolge eines Fluchs nach ihrem Tod als kollektive Strafe in das Lawenatobel (Gemeinde Triesen) gebannt sein. Wilde Schluchten galten gewöhnlich als Aufenthaltsorte von Hexen. Bei den Tobelhockern stand die auffällige Umdeutung im Zusammenhang mit der Aufhebung der Urteile der letzten Hexenprozesse 1684/85 (→ Hexenverfolgung). Die schon damals aktenkundige Tobelhockervorstellung bildete eine symbolische Bestrafung der einstigen Verfolger. Deren räumliche Beschränkung verweist auf die wichtige Rolle des Triesner Pfarrers Valentin von Kriss, des führenden Interessenvertreters der Verfolgten. Ausserhalb von Liechtenstein ist bislang keine vergleichbare Tradition bekannt, die von der Zeit der Hexenverfolgungen bis in die Gegenwart reicht.

Literatur

M. Tschaikner: Von den Tobelhockern, in: Tpl., 2005, H. 1, 13–18.

Zitierweise

Manfred Tschaikner, «Tobelhocker», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Tobelhocker, abgerufen am 19.2.2019.