Tschuor, Johannes

Autor: Franz Näscher | Stand: 31.12.2011

Priester. *17.2.1896 Sargans (SG), †7.7.1990 Schaan, katholisch, Schweizer.

1910–1917 Gymnasium in Sarnen (OW), 1917–1924 Studium der Theologie in Freiburg i.Üe., 1921 Mitbegründer und bis 1924 Generalsekretär der internationalen katholischen Studentenorganisation «Pax Romana», Priesterweihe am 16.7.1922. 1924–1926 Vikar und 1926–1933 Pfarrhelfer in Sarnen (OW). 1933–1965 Pfarrer in Schaan, 1965–1983 Pfarrvikar in Planken, ab 1983 Ruhestand in Schaan. Tschuor war 1951–1957 Präses des liechtensteinischen Priesterkapitels, 1952–1971 bischöflicher Landesvikar, 1957–1990 nichtresidierender Domherr von Chur (Kanonikus). In seiner Zeit als Schaaner Pfarrer erfolgten u.a. die Renovationen der Kapelle Maria zum Trost auf Dux (1943), der Kapelle St. Josef in Planken (1955) und der Kapelle St. Peter in Schaan (1962–1963).

Tschuor engagierte sich in Liechtenstein gegen den Nationalsozialismus und war 1934–1948 Korpskurat der liechtensteinischen Pfadfinder. In der Nacht des nationalsozialistischen Anschlussputsches vom 24.3.1939 erbat der besorgte Tschuor bei der Marienkapelle auf Dux den Segen Mariens für das Land. Auf seine Anregung weihte Fürst Franz Josef II. am 25.3.1940 auf Dux Volk und Land der Gottesmutter Maria und stellte sie unter deren Schutz.

Tschuor war 1934 Gründer des Pfarrbriefs für Schaan und Planken und 1936–88 Redaktor des Kirchenblatts «In Christo» für alle liechtensteinischen Pfarreien. Er gründete 1948 die Volkshochschule Schaan, die er bis 1967 auch leitete, war 1960 Mitgründer der Familienhilfe in Schaan und 1965–1986 Mitglied des Stiftungsrats der Landesbibliothek.

Tschuors Schriften und Artikel zeigen den gebildeten Theologen und angesehenen Liturgiker. Er arbeitete schon zur Sarner Zeit in der liturgischen Bewegung der Schweiz mit und pflegte Kontakte zu solchen Bewegungen in Belgien und Deutschland (Maria Laach). Sein Denken war dem 2. Vatikanischen Konzil weit voraus und schlug sich in seinen Werken nieder. Tschuor organisierte in Liechtenstein Marienwallfahrten sowie erstmals Brautleutetage, Krippenkurse und Autosegnungen (1949). Er propagierte 1952 den 19. März als Vatertag; am 14.9.1952 organisierte er den ersten liechtensteinischen Männertag.

1956 Fürstlich Geistlicher Rat, Ehrenbürger von Schaan (29.7.1958) und Planken (26.10.1958), 1986 Ehrenmitglied des «Vereins der Krippenfreunde», 1986 Anerkennungsgabe der Stiftung «Pro Liechtenstein» durch den Kulturbeirat der Regierung.

Werkauswahl

  • Johannes Tschuor: Drei? — Drei!. Briefe darüber. Von der Heiligsten Dreifaltigkeit die "unsere Ehre" ist, Schaan 1989.
  • Johannes Tschuor: Erinnerungen, Schaan 1987.
  • Johannes Tschuor: Erlebtes Dux, Schaan 1985.
  • Johannes Tschuor: Vom göttlichen und vom menschlichen Vater, Schaan 1961.
  • Johannes Tschuor: Das Opfermahl. Das eucharistische Sakrament im Lichte der Postcommunionen des heutigen römischen Messbuches, Immensee 1942.
  • Johannes Tschuor: Die Heilige Taufe. Gedanken über unsere Eintauchung in Christus, Einsiedeln 1931.

Quellen

Literatur

  • Franz Näscher: Beiträge zur Kirchengeschichte Liechtensteins, Bd. 1: Seelsorger in den Pfarreien, Vaduz 2009, S. 440f.
  • Peter Geiger: Krisenzeit. Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928–1939, 2 Bände, Vaduz/Zürich 1997, 22000, S. 217f., 365, 402.
  • Silvia Walser: Johannes Tschuor in memoriam. Gewidmet zum 95. Geburtstag am 17. Februar 1991, † 7. Juli 1990, Vaduz 1991.

Nachrufe

  • In Christo, 10.8.1990.
  • Liechtensteiner Volksblatt, 9.7.1990, S. 3; 12.7.1990, S. 3.
  • Liechtensteiner Vaterland, 9.7.1990, S. 1.

Medien

Einweihung der neuen Rheinbrücke Balzers-Trübbach durch Johannes Tschuor, 23. November 1968 (Liechtensteinisches Landesarchiv, Vaduz, SgAV 04/0067/005).

Normdaten

GND: 121763935

Zitierweise

Franz Näscher, «Tschuor, Johannes», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Tschuor,_Johannes, abgerufen am 16.8.2026.