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Urfehde

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Autor: Alois Niederstätter | Stand: 31.12.2011

Auf der Grundlage der Vorstellung legitimer rechtlicher Selbsthilfe (→ Fehde) war die Urfehde ursprünglich der Zustand nach der Beendigung der Feindschaft zwischen Täter und Geschädigtem. Im engeren Sinn war sie als «Fehde-Urfehde» die Erklärung des unterlegenen Gegners, fortan Frieden halten zu wollen. Seit dem Spätmittelalter engte sich der Begriff meist auf den Bereich zwischen der «Justiz» und den von ihr Betroffenen ein: Er bezeichnete den oft schriftlich festgehaltenen Eid des aus der Haft entlassenen Delinquenten, sich weder wegen der Gefangenschaft noch wegen anderen Massnahmen im Zusammenhang mit dem Gerichtsverfahren, etwa der Folter, zu rächen, keine auswärtigen Gerichte anzurufen und oft auch bestimmte Auflagen zu befolgen («Hafturfehde»). Das Leisten der Urfehde war Voraussetzung für die Freilassung. Das Missachten der beschworenen Bestimmungen galt als Eidbruch und konnte schwer bestraft werden. Oft wurden Bürgen für die Einhaltung des Urfehdeeids gestellt. Im liechtensteinischen Landesarchiv finden sich 34 zwischen 1485 und 1591 entstandene Urfehdebriefe. Sie geben kriminalitäts- und sozialgeschichtliche Einblicke in eine Zeit, aus der in Liechtenstein keine Gerichtsbücher überliefert sind.

Archive

LI LA.

Literatur

A. Niederstätter: Vorarlberger Urfehdebriefe bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, 1985; Kaiser/Brunhart: Geschichte 1, 1989, 362f.; LexMA 8, 1294; HRG 5, 562–570.

Zitierweise

Alois Niederstätter, «Urfehde», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Urfehde, abgerufen am 19.2.2019.