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Valüna

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Autor: Fabian Frommelt | Stand: 31.12.2011

Alp im südlichen (oberen) Saminatal (Valorschtal), Gemeinde Triesen; 498 ha, davon 130 ha produktive Weidefläche. Grenzt an Gritsch (Schaan), Gapfahl (Balzers/Mäls), Steg und Alpelti (Triesenberg) sowie Pradamee/Hahnenspiel (Vaduz). Neben Valünasäss (1409 m ü.M.) gehören zur Valüna mit Waldboda (1557 m ü.M.) und Obersäss (1646 m ü.M.) zwei weitere Alpstufen. Name Valorsch von alträtoromanisch valüglia (Tälchen).

Erste Erwähnung 1378 (vallúl), als Graf Heinrich V. von Werdenberg-Sargans-Vaduz seine Alp Valüna mit den Gütern Drasgimiel (Alpelti) und Schädlersboden (Chleistäg) an die Dorfgemeinde Triesen verkaufte. Diese hatte Valüna schon zuvor (wohl als Lehen) genutzt. 1403 gaben die Triesner das Alpelti und 1406 den Chleistäg einigen Triesenbergern zu Erblehen; 1615 ging der Chleistäg und 1665 das Alpelti gänzlich an die Triesenberger über. Im Jahr 1600 wurden die Weiden Schafbleikin und Messweid und 1659 die Platta an Mäls (Alp Gapfahl) verkauft, 1610 der Heidböchel an Triesenberg. Umgekehrt kaufte Triesen 1651 von Graf Franz Wilhelm von Hohenems den Waldboda, den es wie einige weitere Waldstücke (1600, 1647, 1663) rodete.

1595–1718 war die Valüna den Genossen im Triesner Unterdorf zur Nutzung zugeteilt, die Alp Lawena jenen im Oberdorf. Das Grundbuch von 1809 nennt als Besitzer der Valüna alle Bürger der Gemeinde Triesen mit Ausnahme der Hintersassen. Gemäss den Triesner Alpstatuten von 1867 war die Gemeinde Eigentümerin, seit 2004 ist es die neu geschaffene Bürgergenossenschaft Triesen.

Mehrmals wehrte sich Triesen erfolgreich gegen fremde Alprechtsansprüche in der Valüna: 1493 gegen Freiherr Ludwig von Brandis, 1684 gegen Graf Ferdinand Karl von Hohenems, 1762 gegen die österreichische Vogteiverwaltung in Feldkirch und die Gemeinde Balzers/Mäls. Häufig waren Grenz- und Nutzungskonflikte mit Gapfahl (1440, 1636, 1899) und Gritsch (1474, 1601, 1602, 1608, 1942). Zudem lasteten auf der Valüna verschiedene konfliktträchtige Servitute, neben Wegrechten besonders das Schneefluchtrecht zugunsten des Alpelti, Gapfahls und Gritschs sowie Holzbezugsrechte zugunsten von Gapfahl (bis 1984) und Gritsch.

Landvogt Josef Schuppler stufte die Kuhalp Valüna 1815 als beste liechtensteinische Alp ein. Von ihr waren gemäss dem Brandisischen Urbar (um 1509/17) 2 Viertel Schmalz und 8 Käse als Vogelmolken zu entrichten (abgelöst 1861). Die Alpung fremden Viehs gegen Zins ist schon 1493 belegt. Bei der Anlage des Grundbuchs 1809 war die max. Bestossung der Valüna auf 100 Stösse festgesetzt; sie stieg im Lauf des 19. Jahrhunderts an und beträgt seit 1997 185 Grossvieheinheiten. 1892 wurden 203 Kühe und 35 Stück Galtvieh gealpt, 2004 55 Kühe mit und 61 ohne Verkäsung sowie 135 Kälber und Rinder. Oft waren in der Valüna auch Pferde, Schweine und bis um 1960 in hohen Lagen Schafe. Bis 1945 bestanden auf Valünasäss zwei Sennereien (seither eine), eine weitere bis 1957 auf Waldboda. Die Produktion betrug 1891 71 862 kg Milch, 2385 kg Butter und 5410 kg Käse, 2003 noch 48 207 kg Milch, 3239 kg Fettkäse und 1385 kg Sauerkäse. Die Gemeinde führte den Alpbetrieb bis 1957 in eigener Regie. Ab diesem Jahr verpachtete sie die Valüna zusammen mit den Vor- und Nachweiden Matruala, Forst und Scherris zunächst an die Alpbenützergenossenschaft Triesen, dann an Einzelpersonen.

1493 sind in der Valüna eine Käserei, 1602 ein «Stafel» (Alphütte-/stall), 1651 Hütten und «Rinderstafel» erwähnt. 1792/93 zerstörte eine Lawine zwei Sennhütten. 1793 wurden sie wiederaufgebaut. Zwei 1876/77 im Säss gebaute Ställe wurden 1945 zusammen mit den beiden Sennhütten von 1793 durch eine Lawine weggerissen. Darauf entstand 1945–47 die heutige Sennhütte mit Stall (in den 1970er Jahren Einbau einer maschinellen Melkanlage, 2001 eines Melkstands und Gebäudesanierung gemäss den EWR-Hygienevorschriften). Auf Waldboda bestanden spätestens im 19. Jahrhundert Sennhütte und Stall. Das heutige, 1945 errichtete Gebäude wurde nach der Einstellung des Sennereibetriebs 1957 zeitweilig zu Freizeitzwecken verpachtet; seit einer Sanierung 2003 dient es wieder als Hirtenhütte. Von 1865 bzw. 1870 bis zu einem Lawinenniedergang 1999 bestanden auch auf dem 1651 erstmals erwähnten Obersäss Sennhütte und Stall.

Der alte Alpweg über den Kulm wurde ab den 1860er Jahren durch fahrbare Strassen ersetzt; der Bau der Teilstrecke Sücka–Valüna erfolgte 1869. 1969 wurde in der Valüna die Berggebietssanierung in Angriff genommen. Das Hochjagdrevier Valüna umfasst auch Gritsch, Gapfahl, Alpelti und Chleistäg (1289 ha). Das Valünatal ist ein beliebtes Wander- und Langlaufgebiet.

Archive

GAT.

Literatur

Alp Valüna, 1978; Büchel: Gemeinde Triesen 1, 1989, 390–468; FLNB I/1.

Externe Links

Geodatenportal, Amt für Bau und Infrastruktur, Liechtensteinische Landesverwaltung Liechtensteiner Namenbuch online

Medien

Postkarte «Alpe Valüna m. Naafkopf. 2 St. von Gaflei», vor 1945 (LI LA). Foto: Adolf Buck. Die Ansicht zeigt noch die Sennhütten aus dem Jahr 1793. Die Ställe wurden 1876/77 neu errichtet.

Zitierweise

Fabian Frommelt, «Valüna», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Valüna, abgerufen am 18.2.2019.