Vereinte Nationen (UNO)

Autor: Roland Marxer | Stand: 30.9.2026

Die UNO (United Nations Organization) wurde kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 26.6.1945 in San Francisco als Nachfolgeorganisation des Völkerbunds gegründet; die UN-Charta trat am 24.10.1945 in Kraft. Die 51 Gründungsstaaten verpflichteten sich, den Weltfrieden durch internationale Zusammenarbeit und ein System kollektiver Sicherheit zu erhalten. Heute ist die UNO eine weltumspannende Internationale Organisation mit 193 Mitgliedsstaaten.

Liechtenstein wurde am 18.9.1990 per Akklamation als 160. (und damals kleinstes) Mitglied in die UNO aufgenommen, nachdem der Landtag den Beitritt am 13.12.1989 einstimmig gebilligt hatte. Der liechtensteinische Beitritt traf international kaum auf Widerstand (im Gegensatz etwa zum Völkerbund-Beitrittsgesuch 1920). Im Innern mussten die Befürworterinnen und Befürworter, zu denen prominent Fürst Hans-Adam II. gehörte, mit Argumenten wie der Absicherung der Souveränität, der Bekundung internationaler Solidarität und dem Schutz des Kleinen durch das Völkerrecht Überzeugungsarbeit leisten. Der Beitritt zu Internationalen Organisationen unterlag damals nicht dem Referendum.

Die liechtensteinischen Delegationen nehmen unter Federführung der Ständigen Missionen am Hauptsitz in New York sowie in Genf und Wien aktiv an den Arbeiten der UNO teil. Bereits vor dem Beitritt zur Gesamtorganisation gehörte Liechtenstein einer Reihe von Sonderorganisationen und Organen der UNO an, so seit 1950 dem Internationalen Gerichtshof (IGH), seit 1962 dem Weltpostverein (UPU), seit 1963 der Internationalen Fernmeldeunion (UIT), seit 1964 der Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD), seit 1968 der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und seit 1972 der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO). 1990 erfolgte der Beitritt zur Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (ECE) und 2024 jener zum Internationalen Währungsfonds (IWF).

Liechtenstein setzt in seiner UNO-Mitarbeit Prioritäten: Im Menschenrechtsbereich konzentriert es seine Bemühungen seit dem Beginn auf die Arbeiten des 3. Ausschusses der Generalversammlung, der sich mit Menschenrechten sowie mit sozialen und humanitären Fragen befasst, sowie auf die UNO-Menschenrechtskommission in Genf. Die 1993 von Liechtenstein eingebrachte Initiative über die effektive Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts hat zum glaubwürdigen Engagement Liechtensteins im Menschenrechtsbereich beigetragen. In engem Zusammenhang damit stehen die Aktivitäten zur Stärkung des Völkerrechts. So war die liechtensteinische Delegation u.a. an der Erarbeitung des Statuts für einen Internationalen Strafgerichtshof beteiligt (seit 2002 ist Liechtenstein Vertragspartei des Statuts). In der humanitären Zusammenarbeit unterstützt Liechtenstein als aktives Mitglied die «Humanitarian Liaison Working Group», eine Gruppe von Geberländern, welche die Arbeiten des Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA) begleitet.

Liechtenstein setzt sich in verschiedenen Allianzen dafür ein, die Rolle der Generalversammlung im Bereich der Friedenssicherung zu stärken. So beteiligte sich Liechtenstein massgeblich am 2015 von der ACT-Gruppe (Accountability, Coherence, Transparency) entworfenen Verhaltenskodex für den UN-Sicherheitsrats zur Verhinderung schwerster Verbrechen, am 2016 geschaffenen «Syrien-Mechanismus» zur Aufdeckung der Gräueltaten in Syrien, an der 2018 gestarteten FAST-Initiative gegen moderne Sklaverei und Menschenhandel (Finance Against Slavery and Trafficking) und an der 2022 angenommenen «Veto-Initiative», die der Generalversammlung automatisch ein Mandat für eine formelle Sitzung erteilt, wenn im Sicherheitsrat ein Veto eingelegt wird.

Liechtenstein leistet regelmässig freiwillige Beitragszahlungen an Hilfsorganisationen wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) und das UNO-Kinderhilfswerk (UNICEF).

Literatur

Externe Links

Medien

Ansprache von Prinz Nikolaus von Liechtenstein vor der UNO-Generalversammlung in New York, 18.10.1985 (Liechtensteinisches Landesarchiv, Vaduz, B 253/3/002/001, Foto: UN Photo).
Vor den Gebäuden der Vereinten Nationen in New York wird die Flagge des Fürstentums Liechtenstein als Neumitglied gehisst, 1990. Von links: Botschafterin Claudia Fritsche, Madeleine Wille, dahinter Regierungschef-Stellvertreter Herbert Wille (verdeckt), Präsident der UNO-Generalversammlung Guido de Marco, dahinter Bernadette Brunhart, Prinz Maximilian von Liechtenstein, UNO-Generalsekretär Javier Pérez de Cuellar, Regierungschef Hans Brunhart und der UNO-Protokollchef (Liechtensteinisches Landesarchiv).

ZUR VERTIEFUNG
Liechtenstein tritt der UNO bei, 1990

Flagge der Vereinten Nationen (Bild: https://commons.wikimedia.org). 2020 jährt sich die Gründung der UNO zum 75. Mal und der Beitritt Liechtensteins zum 30. Mal.

Zitierweise

Roland Marxer, «Vereinte Nationen (UNO)», Stand: 30.9.2026, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Vereinte_Nationen_(UNO), abgerufen am 16.10.2026.