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Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein (VDBL)

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Autor: Wilfried Marxer | Stand: 31.12.2011

Die am 31.3.1938 im Gefolge des österreichischen Anschlusses an Hitler-Deutschland gegründete und bis zum Kriegsende 1945 bestehende VDBL war eine einheimische nationalsozialistische Partei. Sie strebte den wirtschaftlichen oder totalen Anschluss Liechtensteins an Deutschland an und forderte 1940 öffentlich die Umgestaltung Liechtensteins im Sinn des Nationalsozialismus. Die Anhänger der nach dem Vorbild der NSDAP organisierten VDBL kamen grossteils vom ehemaligen Liechtensteiner Heimatdienst. Sie zählte bei schwankendem Bestand rund 150–250 Mitglieder, etwas weniger als 10 % der Stimmberechtigten.

Die VDBL war ein permanenter innenpolitischer Unruheherd, der die Bevölkerung spaltete. Zur politischen Agitation gehörte neben dem Hitlergruss, dem Abbrennen von Hakenkreuzen u.Ä. auch die Anwendung von Gewalt (Schlägereien, Bombenanschläge gegen Juden und politische Gegner aus FBP und Pfadfinderschaft). Wegen der stillen Wahl 1939 und der Verlängerung der Mandatsdauer 1943 ohne Wahlgang konnte sie sich nie an Landtagswahlen beteiligen. Aussenpolitisch belastete sie das liechtensteinische Verhältnis zur Schweiz.

«Landesleiter» der VDBL war 1938 für kurze Zeit Rudolf Schädler, danach bis 1940 Ing. Theodor Schädler, der Hauptverantwortliche für den Anschlussputsch vom 24.3.1939. Nach dem Scheitern des Putschversuchs und der Inhaftierung und Exilierung der Putschführer ins Reich im Herbst 1939 war die VDBL geschwächt. Sie wurde im Frühjahr 1940 vom neuen Landesleiter Dr. Alfons Goop, Dipl. Ing. Martin Hilti, Dr. med. vet. Sepp Ritter (1912–1989) und Dr. med. Hermann Walser (1900–1978) neu organisiert; 1943–45 fungierte Sepp Ritter als Landesleiter. Zur VDBL gehörte die der Hitlerjugend nachgebildete «Volksdeutsche Jugend»; VDBL-«Landesjugendführer» war 1938–39 August Müssner (1920–1983), ab 1940 Lehrer Ernst Schädler (1900–1956). Ab Oktober 1940 gab die VDBL das Blatt «Der Umbruch» unter Schriftleiter Martin Hilti heraus.

Ideologisch fanatisch, persönlich ehrgeizig, von den kleinen Verhältnissen beengt, erwarteten einzelne Anführer und Anhänger nach einem Anschluss Posten und Einfluss im siegreichen «deutschen Vaterland». Aus der VDBL gingen Spione (→ Spionage) und Kriegsfreiwillige für Deutschland hervor. Die Regierung schränkte die Aktionsmöglichkeiten der VDBL ein und verbot im Juli 1943 den «Umbruch», doch wagte sie erst am Kriegsende, die VDBL selbst zu verbieten (8.5.1945). Nach dem Krieg wurden die Putschführer von 1939 sowie Landesleiter Alfons Goop zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Literatur

Geiger: Krisenzeit 2, 22000; Geiger: Kriegszeit, 2010.

Medien

«Der Umbruch». Kampfblatt der Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein, Nr. 1, 5.10.1940 (LI LA). Der Leitartikel beginnt mit den folgenden Worten: «Seit Jahren hält die Welt den Atem an über das grosse innere und äussere Aufbauwerk des deutschen Volkes und seines Führers. Wir deutsche Menschen in Liechtenstein […]».
Landesleiter der VDBL, 1938-1945

Zitierweise

Wilfried Marxer, «Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein (VDBL)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Volksdeutsche_Bewegung_in_Liechtenstein_(VDBL), abgerufen am 19.2.2019.