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Volkslied

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Autorin: Annemarie Bösch-Niederer | Stand: 31.12.2011

Liechtenstein ist Teil des alemannisch-alpenländischen Kulturraums, der viele Gemeinsamkeiten in seiner volksmusikalischen Tradition aufweist. Erste wissenschaftliche Hinweise zu dem in Liechtenstein verbreiteten Liedgut finden sich bei Albert Schädler 1916, Georg Kotek 1937 (Vorsänger: David Büchel, Balzers) und Josef Bitsche 1961 (Vorsänger: Alfred Hämmerle, Vaduz). Die bislang bekannten Lieder und Tänze Liechtensteins unterscheiden sich nur geringfügig vom Liederschatz der angrenzenden Regionen (Gesellschafts-, Scherz-, Studenten- und historisch-erzählende Lieder). Auffallend ist auch hier ein Mangel an alemannischsprachigem Liedgut.

Zu den ältesten Brauchtumsliedern gehört der litaneiartig gesungene Alpsegen. Über das Sternsingen informieren historische Quellen aus dem 17. Jahrhundert. Konkreter Regionalbezug findet sich in den seit dem späteren 19. Jahrhundert neu geschaffenen Heimatliedern von Josef Gabriel Rheinberger, Wunibald Briem (1841–1912), Fidel Ospelt, Georg Schmid von Grüneck, Johann Georg Büchel (1883–1956), Alfons Braun, Sigmund Samuel Bieri (*1827) und anderen, die patriotische Texte liechtensteinischer Dichter vertonten (→ Literatur). Neben diesem liechtensteinischen Liedgut sind v.a. zugewanderte Lieder aus dem gesamten deutschen Sprachraum verbreitet, was – ausser mit deren Ausstrahlungskraft – mit der Arbeitsmigration (→ Saisonniers), der Bildungsmigration, den in Liechtenstein verwendeten Lehrmitteln und den weithin verbreiteten, gedruckten Liedpublikationen in Zusammenhang steht. Änderungen der Singgewohnheiten der ländlichen Bevölkerung und der weitgehende Verlust der mündlichen Tradition seit den 1930er Jahren sind Anlass zur organisierten Volksliedpflege durch Trachtenvereine (→ Trachten) und Chöre (→ Musik).

Archive

VLA, Musik-Sammlung; Österreichische Nationalbibliothek Wien, Archiv des Österreichischen Volksliedwerks.

Quellen

R. von Liliencron: Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert, 1865 (Nachdruck 1966); Liechtensteinische Lieder, 1912; Frohes Singen 1–2, Hg. Landesschulrat für das Fürstentum Liechtenstein, 1950–52; Üsers Liaderbüechle, Hg. Liechtensteinische Trachtenvereinigung, 1985; S’Tresner Liederbüechli, Bearb. J. Frommelt, 1992.

Literatur

A. Schädler: Liechtensteinische Volksbräuche und Volkssagen, in: JBL 16 (1916), 73–124; J. Bitsche: Volksliedaufzeichnungen aus Liechtenstein, in: JBL 66 (1966), 49–66; E. Schneider: Materialien zur Geschichte der Volksmusik im Bodenseeraum, in: Beiträge zur Volksmusik in Vorarlberg und im Bodenseeraum, 1983; J. Frommelt: Das europäische Jahr der Musik 1985 im Fürstentum Liechtenstein und Dokumentation des Musiklebens, 1985; G. Ospelt: Erfüllte Jahre, 1986; A.P. Goop: Brauchtum in Liechtenstein, 1986; J. Frommelt: Brücke Musik, 2008, 80–84.

Zitierweise

Annemarie Bösch-Niederer, «Volkslied», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Volkslied, abgerufen am 19.2.2019.