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Walgau

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Autor: Manfred Tschaikner | Stand: 31.12.2011

Tal der Ill zwischen Bludenz und Feldkirch in Vorarlberg. Der Name entstand im 12. oder 13. Jahrhundert als Fremdbezeichnung für den rätoromanisch sprechenden Raum Unterrätiens («Gau der Walchen/Welschen»); er war auch Synonym für das Dekanat vallis drusiana (→ Drusianisches Kapitel) des Bistums Chur, zu dem der Walgau bis 1816 gehörte. Mit dem Rückzug der rätoromanischen Sprache im Spätmittelalter verengte sich die Namensbedeutung auf das Tal der Ill oberhalb von Feldkirch, zunächst einschliesslich des Montafons, Klostertals und des Grossen Walsertals, seit der frühen Neuzeit ohne diese Täler.

Der Walgau war bereits in ur- und frühgeschichtlicher Zeit besiedelt. Nach einer montfortischen Erbteilung fiel der Grossteil des Walgaus um die Mitte des 13. Jahrhunderts an die Grafen von Werdenberg, der Raum Jagdberg an die Grafen von Montfort-Feldkirch. Jagdberg kam 1390 an Österreich. Das Gebiet von Nenzing und Frastanz bildete eine herrschaftliche Mischzone, das Saminatal und das Gamperdonatal gehörten bis in die beginnende Neuzeit zur Grafschaft Vaduz. Bis ins 19. Jahrhundert bezogen die liechtensteinischen Landesherren von im Walgau gelegenen Alpen das Vogelmolken. 1355 wurde die Grafschaft im Walgau geteilt: Die Stadt Bludenz und das Montafon kamen an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, die übrigen Gebiete an die Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz. 1416 entstanden aus deren Bereich die Herrschaft (ab 1463 Grafschaft) Sonnenberg (1474 an Österreich) und die Herrschaft Blumenegg (1804 an Österreich). Im Spätmittelalter bildete sich ein «Land im Walgau» mit eigenem Landrecht, Siegel, Massen usw. aus.

Bis zum Bau einer Strasse durch die Felsenau 1537 führte die Hauptverbindung in den Walgau über Nenzengast («Lehmige Steig», «Letze»), ein weiterer Zugang durch die Satteinser Klause (Schwarzer See). 1872 erfolgte der Bau einer Eisenbahnverbindung, seit 1981 besteht die Autobahn Feldkirch–Bludenz. Hauptwirtschaftszweige waren bis ins 19. Jahrhundert Viehzucht, Ackerbau, Weinbau, in Frastanz und Nenzing auch der Anbau von Tabak. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Textilindustrie, um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Tourismus auf.

Literatur

Das Land im Walgau, Hg. Th. Gamon, 2005; Jagdberg, Hg. A. Niederstätter, M. Tschaikner, 2007.

Zitierweise

Manfred Tschaikner, «Walgau», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Walgau, abgerufen am 23.2.2019.