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Wallfahrt

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Autorin: Vera Meier Heymann | Stand: 31.12.2011

Wallfahrten sind religiös motivierte Wanderungen oder Fahrten zu näher gelegenen Kultorten, während Pilgerfahrten auf eine längere Dauer und auf Selbstfindung ausgerichtet sind. Die Wallfahrt als Frömmigkeitsform spielte für die liechtensteinischen Katholiken eine grosse Rolle.

Beweggründe für die Wallfahrt oder das Pilgern sind Gelübde, Sühne und Bitten um Hilfe für seelische, körperliche oder materielle Not, aber auch der Dank für erhörte Bitten, an welche gelegentlich in Wallfahrtskirchen ausgestellte Votivtafeln erinnern. Mit einer Wallfahrt können Beicht- und Bussgelegenheiten, Messen, Andachten und Rosenkranzgebete, Prozessionen, Weihen und Opfer von Weihgaben verbunden sein. Jerusalem und Rom waren schon in den ersten Jahrhunderten n.Chr. Ziele von Pilgern, ab dem 11. Jahrhundert auch Santiago de Compostela.

Einer der Jakobswege führte aus dem süddeutschen und österreichischen Raum durch das liechtensteinische Unterland. Im 18. Jahrhundert unternahmen Eltern mit ihren tot geborenen Kindern eine besondere Wallfahrt nach Schruns (Vorarlberg), um sie auf ein angebliches Lebenszeichen hin taufen zu lassen. Bis ins 19. Jahrhundert führten getrennte Wallfahrten der Landschaften Vaduz und Schellenberg nach Rankweil (Vorarlberg), obwohl der Bischof von Chur schon 1789 über die Landesgrenze führende Wallfahrten verboten hatte. Auch staatlicherseits kam es ab dem späteren 18. Jahrhundert im Zug der vom Josefinismus beeinflussten Reformbemühungen zur Einschränkung von Wallfahrten.

Alte Wallfahrtsorte in Liechtenstein sind u.a. die Pfarrkirche und seit 1898 auch die Marien-Lourdes-Grotte in Bendern, die Kapelle Maria-Hilf in Mäls (Gemeinde Balzers) oder die Kapelle Maria zum Trost auf Dux in Schaan. Nach Dux unternahmen während des Zweiten Weltkriegs die Müttervereine (1940) und der Dritte Orden sowie 1943 die Jugend eine Gelöbniswallfahrt; nach dem überstandenen Krieg führte 1945 eine Dankeswallfahrt des Landes nach Dux. Der Wallfahrtsort Einsiedeln (SZ) war Ziel von Landeswallfahrten (1924, 1926, 1934, 1954) sowie der Dankeswallfahrten des Landesverbands der Frauen (1945) und der katholischen Jungmannschaft (1946). Landes-Pilgerfahrten fanden 1983 nach Rom statt, 1996 nach La Salette.

Literatur

Malin: Geschichte, 1953, 66f.; A. Frick: Über die Wallfahrten unserer Vorfahren mit totgeborenen Kindern, in: JBL 81 (1981), 131–154; F. Näscher: Pilgern und Wallfahren im Fürstentum Liechtenstein, in: Eintracht 31 (2002), 11–22.

Zitierweise

Vera Meier Heymann, «Wallfahrt», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Wallfahrt, abgerufen am 21.4.2019.