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Wartau (Gemeinde)

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Autor: Mathias Bugg | Stand: 31.12.2011

Politische Gemeinde im Kanton St. Gallen, Wahlkreis Werdenberg, 5084 Einwohner (2011). Umfasst die sieben Dörfer Trübbach, Azmoos, Malans, Oberschan, Gretschins, Fontnas und Weite sowie die Weiler Matug, Murris, Tobel, Plattis und Seidenbaum. 1342 Wartow, 1361 Wartowe.

Im Moos oberhalb von Oberschan kamen Funde aus der Mittelsteinzeit zutage. Die «Brochna Burg» unweit der Burg Wartau wurde in der Frühbronzezeit und im Mittelalter besiedelt. Auf dem nahen, seit der Spätjungsteinzeit bewohnten Ochsenberg bestand in der Eisenzeit ein Brandopferplatz (heute einer der wichtigsten archäologischen Plätze des Rheintals).

Gretschins mit seiner 1493 neu erbauten gotischen Kirche ist das einzige alte Pfarrdorf der Gemeinde. Azmoos bildet seit 1743 eine eigene evangelische Kirchgemeinde (Pfarrkirche von 1735). Die 1892 gebaute katholische Kirche in Azmoos ist das Zentrum der 1946 neu gegründeten katholischen Pfarrei Wartau.

Die 1868 errichtete Weberei Azmoos setzte die seit dem 18. Jahrhundert bestehende Tradition des Baumwollhandels und der Protoindustrie der einheimischen Familie Sulser fort. In der Folge blühte in Wartau auch die Stickereiindustrie auf. In Fabriken in Trübbach und Azmoos arbeiteten auch Personen aus Liechtenstein. 1957 eröffnete die in Balzers ansässige «Gerätebau-Anstalt Balzers» (heute OC Oerlikon Balzers AG) in Trübbach eine Filiale. Der Eisenbergbau am Gonzen brachte bis 1966 regional Arbeit und Verdienst. Der seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts geförderte Tourismus (Kurhäuser Gonzen, Alvier und auf Palfris) ist bis heute bedeutend.

Die der Alvierkette vorgelagerte Terrasse der Alp Palfris (1650 m ü.M.) sowie die Weiler Matug und der sogenannte Walserberg wurden seit Anfang des 14. Jahrhunderts durch Walser besiedelt. Im Lauf des 17./18. Jahrhunderts büssten die Walser ihre Vorrechte ein, verliessen ihre Güter und nahmen Wohnsitz im Tal.

Zwischen Trübbach und Balzers befand sich bis um 1870 eine seit 1415 nachweisbare Fähre über den Rhein. 1871 erfolgte der Bau einer Holzbrücke (1972 abgebrannt). In Trübbach gab es bis ins 19. Jahrhundert eine Pferdewechselstation, die Sust. Die über den Schollberg führende Strasse wurde 1822 auf den Talboden verlegt. Der Anschluss Wartaus an die Eisenbahn erfolgte 1858 mit dem Bahnhof Trübbach und 1929 mit der Haltestelle Weite. Seit 1969 besteht der Autobahnanschluss Trübbach. Dem Verkehr nach Liechtenstein dienen eine 1968 eröffnete Autobrücke und eine 1975 eröffnete Fussgänger- und Fahrradbrücke über den Rhein zwischen Trübbach und Balzers. Eine geplante Fuss- und Radwegbrücke zwischen Weite und Triesen scheiterte 2003 an der Urnenabstimmung in Wartau.

Ab dem 15. Jahrhundert sind Nutzungs- und Wuhrstreitigkeiten zwischen Wartau und den benachbarten liechtensteinischen Gemeinden Balzers und Triesen überliefert. Mit Triesen kam es zu Auseinandersetzungen um die Heuwiesen. Schiedsgerichte versuchten, Nutzungs- und Wuhrgrenzen zu setzen (z.B. Wartau und Triesen 1494, Wartau und Balzers 1528 und 1544). Ein zwischen Wartau und Balzers 1575 geschlossener, umfassender Wuhrvertrag war im Wesentlichen bis ins 19. Jahrhundert gültig. Erst mit der Rheinkorrektion im 19. Jahrhundert wurden die Streitigkeiten endgültig beigelegt.

Literatur

O. Peter: Wartau, 1960; H. Stricker: Die romanischen Orts- und Flurnamen von Wartau, 1981; J. Kuratli: Geschichte der Kirche von Wartau-Gretschins, 21984; Büchel: Gemeinde Triesen 1, 1989, 156–165; Vogt: Balzers, 1995–98, Bd. 1, 74–86, 172–177, Bd. 2, 293–304; M. Graber: Grenz- und Wuhrstreitigkeiten zwischen den Gemeinden Balzers und Wartau, in: BNjbl. 7 (2001), 23–30; M. Primas et al.: Wartau 1, 2001; M. Primas et al.: Wartau 2, 2004; Flurnamen der Gemeinde Wartau (Karte, Begleitheft), Bearb. H. Stricker, 2004.

Medien

Wartau 1.jpg
Hintermarkstein zwischen Balzers und Wartau, 1699 (Bildarchiv LLM). Die Balzner Seite des Marksteins (links) zeigt das dreizinkige «Balzner Förggle». Die Wartauer Seite gegen den Rhein (rechts) zeigt eine «VI» (sechster Markstein), das Wartauer Gemeindezeichen in Form eines Kreises mit Durchmesser und Radiusstrich sowie die Inschrift «362 1/2 WK» (Entfernung vom Rheinwuhr in Werkklafter).

Zitierweise

Mathias Bugg, «Wartau (Gemeinde)», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Wartau_(Gemeinde), abgerufen am 22.2.2019.