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Werdenberg, von

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Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Grafengeschlecht. Die Grafen von Werdenberg haben ihren Ahnherrn in dem Pfalzgrafen Hugo von Tübingen (†1182). Der Pfalzgraf, der mit Elisabeth, der Tochter des letzten Grafen von Bregenz, verheiratet war, vermehrte seinen Besitz um das Bregenzer Erbe. Seine Söhne teilten das väterliche Erbe: Der ältere Rudolf erhielt den Tübinger Besitz einschliesslich der Pfalzgrafenwürde, der jüngere Hugo († um 1228), der sich ab etwa 1200 von Montfort nannte, bekam das Bregenzer Erbe, das sich vom nördlichen Bodensee bis nach Churrätien erstreckte. Von seinen beiden Söhnen übernahm der ältere und Begründer des Geschlechts der von Werdenberg, Rudolf I., die südlichen Herrschaftsteile, während Hugo II. von Montfort (†1257) Feldkirch, Bregenz und Tettnang an sich brachte. Nach seinem Tod teilten sich um 1258 die Häuser in die Linien Werdenberg und Montfort. Von den Söhnen Rudolfs I. gründete Hugo I. (†1280) die Linie Werdenberg-Heiligenberg, sein Bruder Hartmann I. (†1265/71) die Linie Werdenberg-Sargans.

Die Linie Werdenberg-Heiligenberg vermehrte in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in enger Anlehnung an den Kaiser ihren Besitz im Rheintal und in Graubünden. Durch Erbteilungen wurde ihr Besitz gegen Ende des 14. Jahrhunderts unter vier Zweiglinien aufgeteilt: Werdenberg, Rheineck, Bludenz und Heiligenberg; diese Zweiglinien erloschen alle im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Auch die Linie Werdenberg-Sargans teilte sich in verschiedene Zweiglinien auf: Infolge des Teilungsbriefs von 1342 entstand neben der bis 1504 weiterbestehenden Linie Werdenberg-Sargans die Linie Werdenberg-Sargans-Vaduz (bis 1416). Heinrich III. (I.) begründete die schwäbische Linie Werdenberg-Albeck mit den weiteren Verzweigungen Werdenberg-Trochtelfingen und Werdenberg-Sigmaringen (bis 1534). Den Grafen von Werdenberg gelang es im 14. Jahrhundert nicht, ihre Herrschaftsrechte zu einer Territorialherrschaft zu verdichten und zu intensivieren, was zusammen mit finanziell riskanten Militärunternehmungen und einem ab etwa 1350 einsetzenden Widerstand gegen ihre Herrschaftsansprüche dazu führte, dass sie um 1400 ihr politisches Gewicht unwiderruflich verloren.

Werdenberg-Heiligenberg, von

Linie der Grafen von Werdenberg. Die Söhne Rudolfs I. von Werdenberg (†1243/47) teilten um/nach 1265 ihr Erbe in zwei Hauptlinien: Hugo I. (†1280), der u.a. Werdenberg, Rechte am Eschnerberg und Bludenz mit Montafon erbte und 1277 die namengebende Grafschaft Heiligenberg im Linzgau erwarb, gründete die Linie Werdenberg-Heiligenberg (bis 1428), Hartmann I. (†1265/71) die Linie Werdenberg-Sargans (bis 1504). Hugo I. schloss sich eng an die Habsburger an und wurde Landvogt in Oberschwaben, ebenso sein Sohn Hugo II. (†1305). Dessen Sohn Hugo IV. (III.) (†1329/34) vermehrte den Besitz um Rheineck und Erwerbungen in Graubünden. 1317 kauften die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg den Besitz der Herren von Schellenberg am Eschnerberg. Da Hugo IV. kinderlos blieb, folgten sein Bruder Albrecht I. (†1364/67) und dessen Sohn Albrecht II. (†1371/73). Von dessen Söhnen führte Albrecht IV. (d.J.) die Linie Heiligenberg fort (allerdings verkaufte er Heiligenberg 1413 an Österreich); Hugo VI. (IV.) wurde Herr zu Werdenberg (bis 1390), Heinrich VI. (III.) zu Rheineck (bis 1428) und Albrecht III. (d.Ä.) zu Bludenz (bis 1420).

Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz, von

Zweiglinie der Grafen von Werdenberg-Heiligenberg. Die Söhne Albrechts II. von Werdenberg-Heiligenberg teilten Ende des 14. Jahrhunderts ihr Erbe so, dass die linksrheinischen Gebiete an Hugo VI. (IV.) (Werdenberg) und Heinrich VI. (III.) (Rheineck, Altstätten, Rheintal) fielen, die rechtsrheinischen an Albrecht III. (Bludenz, Rechte am Eschnerberg mit den beiden Burgen Schellenberg, Reichsvogtei über Eglofs), Heiligenberg kam an Albrecht IV. Albrecht III., der sich in der Folge Herr zu Bludenz nannte, verkaufte 1394 seinen Besitz auf Ableben an Österreich; mit seinem Tod um 1420 erlosch sein Stamm. Von seinen fünf Töchtern erlangte Verena durch ihre Ehe mit Wolfhart V. von Brandis Bedeutung für die liechtensteinische Geschichte.

Werdenberg-Sargans, von

Linie der Grafen von Werdenberg. Die Söhne Rudolfs I. von Werdenberg (†1243/47) teilten um/nach 1265 ihr Erbe: Hartmann I. (†1265/71) begründete die Hauptlinie Werdenberg-Sargans mit der Grafschaft Sargans, dem Gebiet um Vaduz und der Grafschaft im Walgau (bis 1504) und Hugo I. (†1280) die Hauptlinie Werdenberg-Heiligenberg (bis 1428). Die Enkel Hartmanns I., Söhne Rudolfs II., teilten sich in drei Linien: Rudolf IV. (†1361/62) führte die Sarganser Linie weiter, Hartmann III. (I.) gründete die Vaduzer Linie (bis 1416) und Heinrich III. (I.) die schwäbische Linie Albeck (bis 1534). Von den Nachkommen Johanns I. (†1400), des Sohns Rudolfs IV., blieb Hugo VII. (II.) (†1421/22) ohne ebenbürtige Nachkommen, Heinrich IX. (II.) († um 1447) gründete den von seinen Söhnen Wilhelm II. (†1472/75) und Georg II. fortgesetzten Zweig Werdenberg-Sargans zu Sonnenberg (bis 1504) und Rudolf IX. (VII.) (erwähnt 1417–34), ein Enkel Johanns I., den Zweig Werdenberg-Sargans zu Löwenberg (bis 1434). Mit Georg II., der den grössten Teil seiner Lande veräussern musste (1483 Sargans), starb 1504 der letzte Vertreter des Geschlechts in der Ostschweiz.

Werdenberg-Sargans-Vaduz, von

Zweiglinie der Grafen von Werdenberg-Sargans; 1342–1416 im Besitz der Grafschaft Vaduz. Auf Hartmann III. (I.), den Begründer dieser Linie, folgte dessen Sohn Heinrich V. (I.), bis 1367 gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf VI. (I.). Während der Minderjährigkeit beider Brüder hatte Rudolf IV. von Werdenberg-Sargans (†1361) die Vormundschaft inne. Von Heinrich V. (†1397) ging die Grafschaft auf dessen Bruder Hartmann IV. (II.) über, der sie Stück für Stück seinen Halbbrüdern Ulrich Thüring und Wolfhart IV. von Brandis übertrug.

Der um 1305 geborene Hartmann III. (I.) beerbte zusammen mit seinem jüngeren Bruder Rudolf IV. (* um 1310) 1322 den Vater Rudolf II. von Werdenberg-Sargans. Die Brüder, die in einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander standen, verwalteten dieses Erbe 20 Jahre lang zusammen. Durch die Ehe Rudolfs IV. mit Ursula von Vaz und das von ihr 1338 in die Ehe eingebrachte Vazer Erbe (u.a. die Grafschaft Schams und ausgedehnte Rechte in Safien und im Schanfigg) kam es zwischen den Brüdern zum Konflikt. Am 3.5.1342 teilten sie ihr Erbe: Hartmann, der Begründer der neuen Linie zu Vaduz, erhielt Vaduz nebst Blumenegg (Thüringerberg) und Nüziders (Sonnenberg), Rechte im Raum zwischen der Luzisteig und der Landquart sowie den Schultheissen Heinrich von Sargans mit Leib und Gut, Rudolf hingegen u.a. Burg und Stadt Sargans, die Vogtei über das Kloster Pfäfers und das Vazer Erbe. Dieser Teilungsvertrag wurde als Gründungsurkunde der Grafschaft Vaduz interpretiert; Hartmann III. (I.) siegelte jedoch weiterhin als Graf von Werdenberg-Sargans; erst 1376 nannte sich sein Sohn Heinrich V. (I.) «Herr zu Vaduz». Die Konsolidierung der Vaduzer Besitzungen als Territorialherrschaft bedurfte noch jahrzehntelanger Bemühungen.

Die Ehe Hartmanns III. (I.) mit Agnes von Montfort-Feldkirch, durch welche die Fehde der Werdenberger mit den benachbarten Grafen von Montfort-Feldkirch um das Vazer Erbe beigelegt wurde, trug zu einer ersten Festigung der neuen Herrschaft bei (zumal Ulrich II. von Montfort-Feldkirch seit 1338 die Burg Vaduz als Leibgedinge innehatte). Wenig später kamen die Söhne aus dieser Ehe zur Welt: um 1343 Hartmann IV. (II.), um 1344 Rudolf VI. (I.) und um 1345 Heinrich V. (I.). Nach dem Tod Hartmanns III. (I.) am 27.8.1354 übernahm Rudolf IV. von Werdenberg-Sargans die Vormundschaft über die minderjährigen Söhne seines Bruders. Hartmann III. (I.) wurde in der Vaduzer Kapelle St. Florin beigesetzt, die damit zu einer Grablege der neuen Dynastie wurde. Seine Witwe Agnes von Montfort-Feldkirch heiratete in zweiter Ehe Wolfhart I. von Brandis (†1371). Diese Ehe ist für die liechtensteinische Geschichte von grosser Bedeutung, weil durch die aus ihr hervorgegangenen Kinder Ulrich Thüring und Wolfhart IV. von Brandis, die Stiefbrüder Heinrichs V. (I.) und Hartmanns IV. (II.), die Grafschaft Vaduz 1416 an die Freiherren von Brandis überging.

Nach der Ermordung Rudolfs IV. 1361 und der bald darauf erreichten Volljährigkeit der Söhne Hartmanns III. (I.) kam die Grafschaft Vaduz an Heinrich V. (I.), der sie zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf VI. (I.) (†1367) verwaltete. Ihr Bruder Hartmann IV. (II.), seit 1360 Mitglied des Johanniterordens, widmete sich vornehmlich der Verwaltung seiner Kommenden, ehe er 1388 zum Bischof von Chur aufstieg. Heinrich V. (I.) bemühte sich um den Ausbau und die Festigung der Herrschaft in Vaduz. Um seinen Einfluss in der Region zu stärken, trat er 1374 als Laie in das Churer Domkapitel ein, das ihn zum Dompropst wählte; doch legte er diese Würde bereits 1377 nieder. Den ihm 1375 von seinem Onkel Rudolf V. von Montfort-Feldkirch bestätigten Erbanspruch auf die Grafschaft Feldkirch konnte Heinrich gegen die Ansprüche Österreichs nicht durchsetzen; er wurde 1390/91 von Herzog Albrecht von Österreich u.a. mit der Herrschaft Jagdberg (auf Lebenszeit) und den Montforter Gütern am Eschnerberg (als Eigen) abgefunden. Er war Mitsiegler und Mitgarant des grossen Freiheitsbriefes, den Graf Rudolf V. von Montfort-Feldkirch 1376 der Stadt Feldkirch gewährte.

Heinrich konnte für sich bei Herzog Leopold das Privileg erringen, dass die Stadt Feldkirch künftig keine werdenbergischen Untertanen mehr als Bürger aufnehmen würde; solche Bürgeraufnahmen hätten die landesherrliche Position in Vaduz geschwächt. Weitere Privilegien gewann er von König Wenzel, so 1379 die Befreiung vom kaiserlichen Hofgericht in Rottweil und 1396 die Bestätigung der Grafschaft Vaduz als Reichslehen (→ Reichsunmittelbarkeit). Des Weiteren suchte er seine Position durch den Beitritt zum Schwäbischen Städtebund (1381) zu festigen, der sich gegen die Ausdehnung der Macht der fürstlichen Territorien und gegen die kaiserliche Verpfändungspolitik wandte. Im Hinblick darauf dürfte wohl auch der Ausbau der Befestigungen in Vaduz 1383 erfolgt sein. Heinrich V. (I.) hielt sich aus den Kämpfen der Habsburger mit den Eidgenossen heraus; an den Schlachten von Sempach 1386 und Näfels 1388 war er nicht beteiligt. 1392 wurde er Mitglied der adeligen Rittergesellschaft mit Sankt Jörgenschild. Heinrich V. (I.) konnte sich erst spät zu einer Ehe entschliessen. 1386/87 heiratete er Katharina von Werdenberg-Heiligenberg (†1396); die Ehe blieb kinderlos. Nach seinem Tod am 26.1.1397 wurde er neben seinem Vater in der Florinskapelle in Vaduz bestattet, die damit zum geistlichen Mittelpunkt der Grafschaft aufgewertet wurde.

Da keine leiblichen Nachkommen Heinrichs V. (I.) vorhanden waren, blieb die Fortexistenz der neuen Dynastie zu Vaduz infrage gestellt. Nächster Erbe war Heinrichs Bruder Hartmann IV. (II.), seit 1388 Bischof von Chur. Hartmann war eine streitbare Persönlichkeit, die immer wieder zugunsten seiner Verwandten in das politische Geschehen eingriff. Die zahlreichen Fehden führten ihn in finanzielle Nöte, die zur schrittweisen Verpfändung und zum Verkauf seiner Blumenegger (ab 1391) und Vaduzer (ab 1396) Besitzungen an seine Stiefbrüder Ulrich Thüring und Wolfhart IV. von Brandis führten. Letzterer übernahm mit dem Erlöschen des Geschlechts von Werdenberg-Sargans-Vaduz 1416 die Herrschaft in Vaduz.

Quellen

LUB I/1-6.

Literatur

J.N. Vanotti: Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg, 1845 (Nachdruck 1988); E. Krüger: Die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg und von Werdenberg-Sargans, in: Mitteilungen zur vaterländischen Geschichte 22 (1887), 109–398; O.K. Roller: Grafen von Montfort und von Werdenberg, in: GHS 1, 145–234, 409–412; HBLS 7, 485f.; W.P. Liesching, P. Vogt: Das Wappen der Grafen von Werdenberg-Sargans zu Vaduz, in: JBL 84 (1984), 81–99; G. Malin: Die Teilungsurkunde vom 3. Mai 1342, in: Zeugen, 1992, 10–33; K.H. Burmeister: Die Grafen von Werdenberg-Sargans-Vaduz, in: Zeugen, 1992, 34–43; W.P. Liesching: Siegel und Wappen der Grafen von Werdenberg, in: Zeugen, 1992, 44–61; R. Sablonier: Graf Hartmann sol ze tail werden Vadutz, in: JBL 92 (1994), 1–36; A. Berger: Die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg von 1260 bis 1420, Liz. Zürich, 1995; E. Eugster: Ostschweizer Adel vom 12. bis zum 15. Jahrhundert, in: Sankt-Galler Geschichte 2003 2, 2003, 103– 128, bes. 114f., 127; K.H. Burmeister: Die Grafen von Werdenberg, in: Montfort 58 (2006), 121–143; F. Rigendinger: Das Sarganserland im Spätmittelalter, 2007.

Medien

Das Wappen der Grafen von Werdenberg. Ausschnitt aus der Zürcher Wappenrolle, ca. 1340 (Zürich, Schweizerisches Nationalmuseum, AG 2760, f. 2r – Zürcher Wappenrolle). Das Wappen zeigt auf silbernem Grund eine schwarze, dreilätzige Kirchenfahne an drei Ringen. Es beruht auf der Abstammung der Grafen von Werdenberg (wie auch der Grafen von Montfort) vom Haus Tübingen mit dessen Wappen es mit Ausnahme der Tingierung identisch ist.
Das Wappen der Grafen von Werdenberg-Heiligenberg-Bludenz. Ausschnitt aus der Zürcher Wappenrolle, ca. 1340 (Zürich, Schweizerisches Nationalmuseum, AG 2760, f. 2r – Zürcher Wappenrolle). Das Wappen zeigt als einziges Wappen des Familienverbands Montfort-Werdenberg nicht die dreilätzige Kirchenfahne der Pfalzgrafen von Tübingen, sondern eine schwarze Stiege im weissen Feld.
Die Gebiete der Grafen von Werdenberg, um 1350 (Evelyne Bermann, Schaan). © Schulamt Liechtenstein.
Vereinfachte Stammtafel der Grafen von Werdenberg

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «Werdenberg, von», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Werdenberg,_von, abgerufen am 19.4.2019.