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Zollanschlussvertrag

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Autor: Roland Marxer | Stand: 31.12.2011

Am 29.3.1923 mit der Schweiz geschlossener Vertrag über den Anschluss Liechtensteins an das schweizerische Zollgebiet; in Kraft seit dem 1.1.1924. Der Zollanschlussvertrag ersetzte den 1852 vereinbarten, am 2.8.1919 von Liechtenstein gekündigten Zoll- und Steuervertrag mit Österreich. Verschiedentlich geändert und ergänzt durch weitere Abkommen, ist der Zollanschlussvertrag die massgebliche Rechtsgrundlage für das enge Verhältnis Liechtensteins zur Schweiz, zu der seither keine Zollgrenze mehr besteht. Er gilt als ein zentraler Faktor des wirtschaftlichen Aufschwungs Liechtensteins in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die schweizerische Zoll- sowie die übrige Bundesgesetzgebung sind für Liechtenstein anwendbar, soweit der Zollanschluss ihre Anwendung bedingt. Ausgenommen sind Beitragspflichten des Bundes. Zudem finden alle von der Schweiz mit dritten Staaten abgeschlossenen Handels- und Zollverträge auf Liechtenstein Anwendung. Die Schweiz wird gleichzeitig ermächtigt, Liechtenstein bei derartigen Verhandlungen zu vertreten und diese Verträge mit Wirksamkeit auch für Liechtenstein abzuschliessen. Eine Revision des Zollanschlussvertrags 1990 ermöglichte es Liechtenstein, selbständig Mitglied von Handelsverträgen und Handels- bzw. Wirtschaftsinstitutionen zu werden, namentlich der EFTA (1991), der WTO (1995) und – nach einer erneuten Revision des Zollanschlussvertrags 1994 – des EWR (1995).

Literatur

D.J. Niedermann: Liechtenstein und die Schweiz, 1976; S. Bradke, H. Hauser: 75 Jahre Zollvertrag Schweiz–Liechtenstein, 1998; Liechtenstein und das Völkerrecht, in: Archiv des Völkerrechts 36 (1998), 95–256, bes. 100–106, 156–159; H. Prange: Liechtenstein im EWR, 2000, 55–66; M. Hofstetter: Der Zollvertrag zwischen der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein aus dem Jahre 1923, Liz., Freiburg i.Üe., Ms. 2000; S. Gstöhl: Flexible Integration für Kleinstaaten?, 2001; Quaderer-Vogt: Bewegte Zeiten 1–3, 2014.

Medien

Die liechtensteinische Kommission für die Zollvertragsverhandlungen, 23.–24.1.1920 (Bildarchiv LLM). Von links sitzend: Landtagspräsident Fritz Walser, Prinz Eduard von Liechtenstein. Von links stehend: Legationsrat Dr. Emil Beck, Landtags­abgeordneter Dr. Wilhelm Beck, Regierungsrat-Stell­vertreter Emil Batliner.

Zitierweise

Roland Marxer, «Zollanschlussvertrag», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Zollanschlussvertrag, abgerufen am 19.2.2019.