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Funkensonntag

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Autorin: Vera Heymann Meier | Stand: 31.12.2011

Der seit dem Mittelalter belegte Funkensonntag ist vor allem im schwäbisch-alemannischen Raum fester Bestandteil des Brauchtums. Am Sonntag nach Aschermittwoch (1. Fastensonntag) werden aus Holz und Stroh errichtete Funkenfeuer abgebrannt, mit einer früher am Fasnachtsdienstag geschlagenen Funkentanne in der Mitte und einer lebensgrossen Hexenpuppe an ihrer Spitze. Die Funkenhexe ist mancherorts mit Pulver geladen und explodiert, wenn sie Feuer gefangen hat. Die Explosion verheisst Glück, während das Umfallen des Funkens vor der Explosion der Funkenhexe als schlechtes Omen gilt. Zuschauer entzünden Feuerwerk und schwingen Fackeln.

Die Funken, in verschiedener Technik gebaute Holztürme oder -haufen, werden in Liechtenstein von in den 1960er Jahren gegründeten Funkenzünften oder Funkengemeinschaften unter Leitung eines Funkenmeisters errichtet und beim Eindunkeln angezündet. In der Nacht auf den Funkensonntag wird der Funken bewacht. Das Sammeln des Holzes, alter Christbäume und früher das Heischen des Türkenstrohs oblag der Dorfjugend, in Balzers z.B. bis 2005 den Buben der letzten Pflichtschulklasse.

Das Funkenbrauchtum, das nach dem Zweiten Weltkrieg einen Aufschwung erlebte, umfasst Fackelzüge, Feuerwerk und Festwirtschaft. Angeboten werden u.a. «Küechle», ein Schmalzgebäck, das seit den 1970er Jahren von Trachtenfrauen, in Schaan schon seit 1922 von den «Küechlefrauen» bzw. in Schaanwald von den «Küechletanten» gereicht wird. Der Funkensonntag hat entgegen landläufiger Meinung vermutlich keinen heidnisch-germanischen Ursprung und dient auch nicht zur Vertreibung des Winters. Der Funkensonntag könnte auf einen römischen Brauch zurückgehen, hängt aber eng mit der Fasnacht und der Fastenzeit und damit dem christlichen Kirchenjahr zusammen.

Literatur

  • Reinhard Johler: Die Formierung eines Brauches. Der Funken- und Holepfannsonntag. Studien aus Vorarlberg, Liechtenstein, Tirol, Südtirol und dem Trentino, Wien 2000 (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, Bd. 19), S. 186–194.

Zitierweise

Vera Heymann Meier, «Funkensonntag», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Funkensonntag, abgerufen am 21.4.2019.

Medien

Triesenberger Kinder bauen einen Funken im Schibabühel. Fotografie, 1930 (GATb). Der Triesenberger Flurname Schibabühel leitet sich vom Brauch des Scheibenschlagens ab, bei dem am Funkensonntag glühende Holzscheiben in die Luft geschleudert wurden.