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Harpprecht von Harpprechtstein, Stephan Christoph: Unterschied zwischen den Versionen

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Fürstlicher Kommissar. *16.9.1676 Sindelfingen (Württemberg), †11.1.1735 Wien, aus lutheranischer Pfarrer- und Juristenfamilie. Ab 1688 Studium in Tübingen und Halle, 1699 Dr. iur., 1702–09 ausserordentlicher Professor, 1709–14 ordentlicher Professor der Rechte in Tübingen. 1701–08 Rechtsberater des Grafen von Hohenzollern-Hechingen, 1708–11 Leiter der württembergischen Finanzpolitik (Kammerprokurator, Kassa-Kommissar), 1711 unter Restitutionsklagen entlassen. Ab 1714 im Exil in Wien, diente er bis 1721 als Rechtsberater Fürst [[Liechtenstein, Anton Florian von|Anton Florians von Liechtenstein]], der ihn 1717 in den rittermässigen Adelsstand erhob. Im Auftrag Anton Florians nahm Harpprecht am 5.9.1718 die [[Huldigung]] von Vaduz und Schellenberg entgegen und ordnete die dortige Verwaltung neu. Entgegen dem Versprechen schaffte er das alte Herkommen ab und begann eine überzogene und gewaltsam durchgesetzte Umgestaltung der Verhältnisse (→ [[Verfassung]]). Besonders die Abschaffung der Landammänner und die von den Gemeinden verlangte Rückgabe gekaufter ehemaliger Herrschaftsgüter stiessen bei den [[Landschaft (Verfassung)|Landschaften]], die eine «böhmische Sklaverei» befürchteten, auf Widerstand. Auch die Kirche wehrte sich gegen Eingriffe des Lutheraners Harpprecht (→ [[Novalzehntstreit 1719–21|Novalzehntstreit]]). 1721 wurde eine kaiserliche Kommission unter der Leitung des Bischofs von Konstanz eingesetzt, worauf die Regierung Zugeständnisse machte. Ab 1722 wirkte Harpprecht als Professor der Rechte in Kiel, ab 1728 von Wien aus als Berater u.a. für die Reichsritterschaft. Kaiser Karl VI. erhob Harpprecht in den erblichen Adelsstand und verlieh ihm den Titel eines kaiserlichen Rats. Harpprecht war ein Mann der Aufklärung und der Wissenschaft, Verfasser juristischer Bücher und Besitzer einer bedeutenden Bibliothek. Wegen seines Unverständnisses für die bäuerlichen Traditionen versagte er in der liechtensteinischen Praxis.
 
Fürstlicher Kommissar. *16.9.1676 Sindelfingen (Württemberg), †11.1.1735 Wien, aus lutheranischer Pfarrer- und Juristenfamilie. Ab 1688 Studium in Tübingen und Halle, 1699 Dr. iur., 1702–09 ausserordentlicher Professor, 1709–14 ordentlicher Professor der Rechte in Tübingen. 1701–08 Rechtsberater des Grafen von Hohenzollern-Hechingen, 1708–11 Leiter der württembergischen Finanzpolitik (Kammerprokurator, Kassa-Kommissar), 1711 unter Restitutionsklagen entlassen. Ab 1714 im Exil in Wien, diente er bis 1721 als Rechtsberater Fürst [[Liechtenstein, Anton Florian von|Anton Florians von Liechtenstein]], der ihn 1717 in den rittermässigen Adelsstand erhob. Im Auftrag Anton Florians nahm Harpprecht am 5.9.1718 die [[Huldigung]] von Vaduz und Schellenberg entgegen und ordnete die dortige Verwaltung neu. Entgegen dem Versprechen schaffte er das alte Herkommen ab und begann eine überzogene und gewaltsam durchgesetzte Umgestaltung der Verhältnisse (→ [[Verfassung]]). Besonders die Abschaffung der Landammänner und die von den Gemeinden verlangte Rückgabe gekaufter ehemaliger Herrschaftsgüter stiessen bei den [[Landschaft (Verfassung)|Landschaften]], die eine «böhmische Sklaverei» befürchteten, auf Widerstand. Auch die Kirche wehrte sich gegen Eingriffe des Lutheraners Harpprecht (→ [[Novalzehntstreit 1719–21|Novalzehntstreit]]). 1721 wurde eine kaiserliche Kommission unter der Leitung des Bischofs von Konstanz eingesetzt, worauf die Regierung Zugeständnisse machte. Ab 1722 wirkte Harpprecht als Professor der Rechte in Kiel, ab 1728 von Wien aus als Berater u.a. für die Reichsritterschaft. Kaiser Karl VI. erhob Harpprecht in den erblichen Adelsstand und verlieh ihm den Titel eines kaiserlichen Rats. Harpprecht war ein Mann der Aufklärung und der Wissenschaft, Verfasser juristischer Bücher und Besitzer einer bedeutenden Bibliothek. Wegen seines Unverständnisses für die bäuerlichen Traditionen versagte er in der liechtensteinischen Praxis.
 
==Literatur==
 
==Literatur==
ADB 10, 625f.; J. Arndt: Hofpfalzgrafen-Register 1, 1964, 77; N.R. Machheit: Stephan Christoph Harpprecht von Harpprechtstein, in: Fürstliches Haus, 1987, 211–247; Kaiser/Brunhart: Geschichte 1, 1989, 488–511.
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* ''Peter Kaiser:'' Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Chur-Rätien‘s Vorzeit, Chur 1847, neu hg. von Arthur Brunhart, Bd. 1: Text, Vaduz 1989, S. 488–511.<br />
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* ''Norbert R. Machheit:'' Stephan Christoph Harpprecht (1675-1735). Bis zu seinem Auftritt als Kommissar Fürst Anton Florians von Liechtenstein 1718/21, eine biographische Skizze, in: Liechtenstein - fürstliches Haus und staatliche Ordnung, Vaduz 1987, S. 211–247. <br />
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* ''Jürgen Arndt:'' Hofpfalzgrafen-Register, hg. von Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaft, Bd. 1, Neustadt an der Aisch 1964, S. 77. <br />
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* ''Eisenhart, August Ritter von:'' [https://www.deutsche-biographie.de/sfz26946.html#adbcontent Harpprecht von Harpprechtstein, Stephan Christoph], in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 10 (1879), S. 625f. <br />
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== Zitierweise ==
 
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<small>Karl Heinz Burmeister, «{{SEITENNAME}}», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL:  https://historisches-lexikon.li/Harpprecht_von_Harpprechtstein,_Stephan_Christoph, abgerufen am {{JETZIGER_TAG}}.{{JETZIGER_MONAT_1}}.{{JETZIGES_JAHR}}.</small>
 
<small>Karl Heinz Burmeister, «{{SEITENNAME}}», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL:  https://historisches-lexikon.li/Harpprecht_von_Harpprechtstein,_Stephan_Christoph, abgerufen am {{JETZIGER_TAG}}.{{JETZIGER_MONAT_1}}.{{JETZIGES_JAHR}}.</small>
 
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Aktuelle Version vom 20. Juli 2020, 06:55 Uhr

Autor: Karl Heinz Burmeister | Stand: 31.12.2011

Fürstlicher Kommissar. *16.9.1676 Sindelfingen (Württemberg), †11.1.1735 Wien, aus lutheranischer Pfarrer- und Juristenfamilie. Ab 1688 Studium in Tübingen und Halle, 1699 Dr. iur., 1702–09 ausserordentlicher Professor, 1709–14 ordentlicher Professor der Rechte in Tübingen. 1701–08 Rechtsberater des Grafen von Hohenzollern-Hechingen, 1708–11 Leiter der württembergischen Finanzpolitik (Kammerprokurator, Kassa-Kommissar), 1711 unter Restitutionsklagen entlassen. Ab 1714 im Exil in Wien, diente er bis 1721 als Rechtsberater Fürst Anton Florians von Liechtenstein, der ihn 1717 in den rittermässigen Adelsstand erhob. Im Auftrag Anton Florians nahm Harpprecht am 5.9.1718 die Huldigung von Vaduz und Schellenberg entgegen und ordnete die dortige Verwaltung neu. Entgegen dem Versprechen schaffte er das alte Herkommen ab und begann eine überzogene und gewaltsam durchgesetzte Umgestaltung der Verhältnisse (→ Verfassung). Besonders die Abschaffung der Landammänner und die von den Gemeinden verlangte Rückgabe gekaufter ehemaliger Herrschaftsgüter stiessen bei den Landschaften, die eine «böhmische Sklaverei» befürchteten, auf Widerstand. Auch die Kirche wehrte sich gegen Eingriffe des Lutheraners Harpprecht (→ Novalzehntstreit). 1721 wurde eine kaiserliche Kommission unter der Leitung des Bischofs von Konstanz eingesetzt, worauf die Regierung Zugeständnisse machte. Ab 1722 wirkte Harpprecht als Professor der Rechte in Kiel, ab 1728 von Wien aus als Berater u.a. für die Reichsritterschaft. Kaiser Karl VI. erhob Harpprecht in den erblichen Adelsstand und verlieh ihm den Titel eines kaiserlichen Rats. Harpprecht war ein Mann der Aufklärung und der Wissenschaft, Verfasser juristischer Bücher und Besitzer einer bedeutenden Bibliothek. Wegen seines Unverständnisses für die bäuerlichen Traditionen versagte er in der liechtensteinischen Praxis.

Literatur

  • Peter Kaiser: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderungen aus Chur-Rätien‘s Vorzeit, Chur 1847, neu hg. von Arthur Brunhart, Bd. 1: Text, Vaduz 1989, S. 488–511.
  • Norbert R. Machheit: Stephan Christoph Harpprecht (1675-1735). Bis zu seinem Auftritt als Kommissar Fürst Anton Florians von Liechtenstein 1718/21, eine biographische Skizze, in: Liechtenstein - fürstliches Haus und staatliche Ordnung, Vaduz 1987, S. 211–247.
  • Jürgen Arndt: Hofpfalzgrafen-Register, hg. von Herold, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaft, Bd. 1, Neustadt an der Aisch 1964, S. 77.
  • Eisenhart, August Ritter von: Harpprecht von Harpprechtstein, Stephan Christoph, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 10 (1879), S. 625f.

Zitierweise

Karl Heinz Burmeister, «Harpprecht von Harpprechtstein, Stephan Christoph», Stand: 31.12.2011, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Harpprecht_von_Harpprechtstein,_Stephan_Christoph, abgerufen am 13.4.2021.

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