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Jehle, Anne Marie (A.M. Jehle): Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:A.M. Jehle Selbstportrait.jpg|miniatur|Anne Marie Jehle: [https://www.annemariejehle.li/werkkatalog/kunstmuseum-liechtenstein-20046501 Ohne Titel] (Selbstporträt mit Eierohrringen), undatierte Schwarz-Weiss-Fotografie, 4.9 x 4.4 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, © Anne Marie Jehle Stiftung).]]
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[[Datei:A.M. Jehle Selbstportrait.jpg|miniatur|Anne Marie Jehle: [https://www.annemariejehle.li/werkkatalog/fp-0065 Ohne Titel] (Selbstporträt mit Eierohrringen), undatierte Schwarz-Weiss-Fotografie, 4.9 x 4.4 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, © Anne Marie Jehle Stiftung).]]
  
 
[[Datei:Kunstmuseum 29.08.2012-025804.jpg|miniatur|Anne Marie Jehle: [https://www.annemariejehle.li/werkkatalog/kunstmuseum-liechtenstein-20046501 Ohne Titel] (Genie Automat), Motiv der Einladungskarte der Ausstellung in der Galerie Wilma Lock, St. Gallen 1977, Karton (Waschmittelpackung), Schuhabsätze, Schwarz-Weiss-Fotografie, 14 x 15.5 x 21 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, © Anne Marie Jehle Stiftung, Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich).]]
 
[[Datei:Kunstmuseum 29.08.2012-025804.jpg|miniatur|Anne Marie Jehle: [https://www.annemariejehle.li/werkkatalog/kunstmuseum-liechtenstein-20046501 Ohne Titel] (Genie Automat), Motiv der Einladungskarte der Ausstellung in der Galerie Wilma Lock, St. Gallen 1977, Karton (Waschmittelpackung), Schuhabsätze, Schwarz-Weiss-Fotografie, 14 x 15.5 x 21 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, © Anne Marie Jehle Stiftung, Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich).]]

Version vom 19. März 2022, 09:03 Uhr

Autorin: Barbara Schneider | Stand: 18.3.2022

Künstlerin. *15.12.1937 Feldkirch (A), † 19.11.2000 Vaduz (Spital), von Schaan, wohnhaft in Feldkirch, später in den USA und in Liechtenstein. Tochter des Bauunternehmers Alois Jehle und der Martha, geb. Birchmeier, zwei Geschwister. Enkelin von Alois Jehle und Nichte von Irma Jehle.

Jehle wuchs in Feldkirch auf, wo sie nach der Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin an der Handelsschule bis 1964 im Baubüro ihres Vaters tätig war. Ihren Einstieg in die Kunst fand sie durch die intensive Beschäftigung mit der für die Region typischen Bauernmalerei. 1965 gewann sie während eines Sprachaufenthalts in Lugano den Kunstwettbewerb Premio di Ascona. Zurück in Feldkirch, widmete sie sich fortan ausschliesslich ihrem künstlerischen Schaffen. Es entstand eine Vielfalt an Objekten, Zeichnungen, Fotografien, Malereien, Installationen und Textarbeiten. Ende der 1960er Jahre knüpfte Jehle Kontakte zur internationalen Kunstszene, zur Fluxus-Bewegung und den Nouveaux Réalistes, was sich u.a. an ihrer Teilnahme an Gruppenausstellungen wie der Eat Art von Daniel Spoerri in der Aktionsgalerie in Bern zeigt. In der umtriebigen Galerie stellte sie neben Künstlern wie Bernhard Luginbühl, André Thomkins und Dieter Roth aus. Während ihres künstlerischen Höhepunkts in den 1970er Jahren folgten zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, u.a. in Paris, Santiago de Chile, Zürich oder Berlin. Ab Mitte der 1980er Jahre zog sich Jehle zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. 1989 versiegelte sie ihr Haus in Feldkirch und liess sich in den USA nieder (zuletzt in Washington, D.C.). Ihr künstlerisches Schaffen brach jäh ab. 1993 kehrte sie aus den Staaten zurück und lebte bis zu ihrem Tod in Liechtenstein (in Mauren, ab 1994 in Balzers); zeitweilig hielt sie sich auch in der Schweiz auf.

Jehles komplexes Werk zeichnet sich durch einen ausgeprägten inhaltlichen Fokus und eine grosse Bandbreite an Stilmitteln aus. Mit verschiedensten Techniken, Materialien und Medien untersuchte die Autodidaktin gesellschaftliche Strukturen und Machtverhältnisse, wobei sie sich kritisch mit Identität, Rollenbildern, Religion und Kirche, aber auch mit dem Kunstbetrieb auseinandersetzte. Beeinflusst vom Diskurs der zweiten Welle der Frauenbewegung beleuchtete sie den gesellschaftlichen Status der Frau, das Private und Häusliche und die vorherrschenden patriarchalen Machtstrukturen. Inspirationsquelle und Forschungsfeld ihrer künstlerischen Auseinandersetzung war dabei ihr Alltag, den sie genau beobachtete und analysierte. Ihr Arbeitsort war ihr Haus in Feldkirch (Tisis).

Das überregional bedeutende Werk Jehles umfasst über 1600 Arbeiten und kann insbesondere mit der Kunst der feministischen Avantgarde sowie der Fluxus-Kunst in Beziehung gesetzt werden. Die 2003 gegründete Anne Marie Jehle Stiftung sorgte für eine umfassende Aufarbeitung des Nachlasses, der im Jahr 2021 als Schenkung an das Kunstmuseum Liechtenstein ging. Die wachsende Aufmerksamkeit für Jehles Werk zeigt sich seit 2003 in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz.

Literatur

  • Friedemann Malsch, Christiane Meyer-Stoll (Hg.): Anne Marie Jehle, Konzeption und Redaktion: Dagmar Streckel, Vaduz 2019 [Publikation zur Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein 2017].
  • Obsessiv. Fünf künstlerische Positionen aus Feldkirch. FLATZ, Anne Marie Jehle, Max Riccabona, Eugen Steck, Nikolaus Walter, Redaktion: Arno Egger und Karin Guldenschuh, Vaduz 2018, S. 12–15 [Publikation zur Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein].
  • Gerhard Mack (Hg.): Vierzig Jahre Gegenwart. Die Galerie Wilma Lock in St.Gallen, Zürich 2017.
  • Dagmar Streckel: Wenn Strickmuster ausser Kontrolle geraten – die widerständige Kunst der A. M. Jehle, in: Du – die Zeitschrift der Kultur, 10/2016, Nr. 870: Kunst und Kultur in Liechtenstein, S. 36–49.
  • Roland Scotti: Wunde®n. Mezzanin – eine Sammlung für die Kunst, Göttingen 2017 [Publikation zur Ausstellung «Wunde®n – Werke aus der Kunstsammlung Mezzanin, Liechtenstein» im Kunstmuseum Appenzell].
  • Christiane Meyer-Stoll (Hg.): Don't smile. Vom Humor der Kunst, Bielefeld 2012 [Publikation zur Ausstellung im Kunstmuseum Liechtenstein].
  • Larger Than Life – Stranger Than Fiction, 11. Triennale Kleinplastik Fellbach, hg. vom Kulturamt der Stadt Fellbach, Köln 2010.
  • A. M. Jehle. 15.12.1937–19.11.2000, mit Beiträgen von Evi Kliemand und Dagmar Streckel, Hohenems 2007.
  • Bildende Kunst in Vorarlberg 1945–2005. Biografisches Lexikon, hg. vom Vorarlberger Landesmuseum und dem Kunsthaus Bregenz, Redaktion: Susanne Fink, Cornelia Rothmund, Hohenems 2006.
  • 9 Künstler aus Vorarlberg, Klosterhof St. Gallen, St. Gallen 1984 [Ausstellungskatalog].
  • Frauenzimmer, hg. vom Vorarlberger Autorenverband, Redaktion: Maria Zech, Bregenz 1984 (= Katalog zur Vorarlberger Literatur, Nr. 2).
  • masculin ≠ feminin. Trigon 79, Graz, 7.10.–11.11.1979, Künstlerhaus und Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum: Steirischer Herbst `79, Graz 1979 [Ausstellungskatalog].
  • Wahr-nehmen. Ausstellung von Arbeiten von Tirolern, Vorarlbergern u.a. anläßlich der Eröffnung des Arlbergstraßentunnels, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz, 1979 [Ausstellungskatalog].
  • Multiples aus der Sammlung Feelisch, Kunst- und Museumsverein Wuppertal / Kunstverein Bonn, 1979 [Broschüre].
  • Sucre d’Art, Musée des Arts Décoratifs, Paris 1978 [Ausstellungskatalog].

Externe Links

Normdaten

GND: 136022987

Medien

Anne Marie Jehle: Ohne Titel (Selbstporträt mit Eierohrringen), undatierte Schwarz-Weiss-Fotografie, 4.9 x 4.4 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, © Anne Marie Jehle Stiftung).
Anne Marie Jehle: Ohne Titel (Genie Automat), Motiv der Einladungskarte der Ausstellung in der Galerie Wilma Lock, St. Gallen 1977, Karton (Waschmittelpackung), Schuhabsätze, Schwarz-Weiss-Fotografie, 14 x 15.5 x 21 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, © Anne Marie Jehle Stiftung, Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich).
Anne Marie Jehle: Souvenier, ca. 1986, Vitrine (Holz, Glas, Klebebuchstaben) mit verschiedenen Gegenständen und Polaroids, 90 x 58 x 19 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, © Anne Marie Jehle Stiftung, Foto: Stefan Altenburger Photography, Zürich ).
Anne Marie Jehle: Ohne Titel (Selbstporträt als Mona Lisa), undatierte Fotocollage, 11.9 x 8.8 cm (Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, © Anne Marie Jehle Stiftung).

Zitierweise

Barbara Schneider, «Jehle, Anne Marie (A.M. Jehle)», Stand: 18.3.2022, in: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein online (eHLFL), URL: https://historisches-lexikon.li/Jehle,_Anne_Marie_(A.M._Jehle), abgerufen am 26.6.2022.